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„Lera Auerbachs Streichquartett ist hochexplosiv“

Am Sonnabend, 30. April 2005 (19.30 Uhr), war das Kuss Quartett mit Werken von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Lera Auerbach in der Kleinen Musikhalle Hamburg zu Gast . Dabei kam auch Lera Auerbachs Streichquartett zur deutschen Erstaufführung. Die Komponistin, die wegen der Uraufführung ihrer Ballettmusik „Die kleine Meerjungfrau“ am 15. April 2005 gerade in Kopenhagen weilte, war zu diesem Ereignis nach Hamburg gekommen. Stefan Siegert schrieb in der WELT AM SONNTAG (Ausgabe 24.04.2005) über das Konzertereignis:

„Aktualität, Neuigkeit, Zukunft - für die vier Musiker des Kuss Quartetts sind das keine bloßen Schlagworte, sondern Programm ihrer gemeinsamen Arbeit. Zeitgenössische Musik hat die jungen Berliner, die am kommenden Sonnabend im Kleinen Saal der Laeiszhalle gastieren, von Anfang an fasziniert.

Jana Kuss und Oliver Wille, Geiger und Gründer des Quartetts, waren gerade mal sechzehn Jahre alt und Schüler eines Berliner Internats für musikalisch Hochbegabte, als sie György Kurtag dessen ‚Mikroludien für Streichquartett’ vorspielten. Dem Ungarn gefiel ihre Interpretation. ‚Wir stehen bis heute in Kontakt zu ihm’, sagt Wille. Derzeit bereiten sie mit Kurtag ein Gesprächskonzert vor, das am 22. Mai im Schloss Königswusterhausen südlich von Berlin stattfindet. Auf dem Programm steht das Streichquartett Opus 1 des Komponisten.

Auch mit der Russin Lera Auerbach arbeitet das Kuss Quartett zusammen. Im vergangenen Jahr hatten die Musiker für eine Konzertreihe im Pariser Louvre nach dem Werk eines russischen Komponisten gesucht. ‚Vor Tschaikowsky und Schostakowitsch wollten wir uns drücken, weil wir dachten, alle wählen das aus’, erzählt Wille. Sie stöberten angestrengt in den Partituren des 20. Jahrhunderts.

Die Hamburger Impresaria Sonia Simmenauer hatte dann die Idee, Lera Auerbach zu fragen. Die 1973 in Sibirien geborene, in New York und Hannover ausgebildete Pianistin, Komponistin und Dichterin genießt inzwischen einen weltweiten Ruf als Klaviervirtuosin wie auch als Lieferantin gefragter zeitgenössischer Musik. Für das junge Ensemble schrieb sie ihr erstes Streichquartett.

Leider fehlte Lera Auerbach bei der Uraufführung. Die fand - der Louvre konnte die Premiere nicht finanzieren - in Luzern statt. ‚Wir haben das Stück bisher fünfmal gespielt. Jetzt in Hamburg hört Lera es zum ersten Mal.’ Jana Kuss und Oliver Wille, Bratschist William Coleman und Cellist Felix Nickel werden der Komponistin bei Workshops vor dem Konzert erstmals persönlich begegnen.

‚Leras Streichquartett ist hoch explosiv’, so Wille. ‚Es liegt gut im Ohr, das Publikum mag es. Es ist emotional, nicht sentimental.’ Es geht um Leben und Tod. ‚Nicht für uns’, lacht der Geiger. ‚Mehr philosophisch. Der letzte Satz ist ein Trauermarsch, sehr russisch, irgendwo zwischen Schostakowitsch und Schnittke.’

Vorneweg spielen sie Haydns Opus 76 Nr.1, ein geistreich witziger Beitrag zur Gründerzeit der Gattung; zum Abschluss Beethovens Opus 132, ein kosmisch musikalischer Ausblick in die Zukunft aller Form und Gefühle.

Aktuell plant das Kuss Quartett Kinderkonzerte mit Musik von Mozart bis Webern und Hindemith. Moderiert werden die Veranstaltungen von dem Pianisten Christoph Gotthardt und dessen Assistenten Theophil, einem plüschigen Ohrwurm. Weil der etwas schwer hört, müssen die fünf- bis zehnjährigen im Publikum für eine Stunde etwas leiser sein.

‚Bevor wir auftreten, sitzt Christoph Gotthardt mit Pinseln und Farbe auf der Bühne und erklärt den Kindern, dass gleich die Streicher kommen’, berichtet Wille. ‚Er drückt uns die Pinsel in die Hand, und ich habe Gelegenheit zu erklären, was für eine seltsame Art Streicher wir sind und wie ein Streichquartett funktioniert.’ So ein Konzert wäre auch in Hamburg denkbar, meint Wille: "Wenn uns jemand einlädt, kommen wir garantiert.“