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Fußball und Oratorium schließen sich nicht gegenseitig aus – eine erste Besprechung von Moritz Eggerts „Die Tiefe des Raumes“

Die Uraufführung von Moritz Eggerts Fußball-Oratorium „Die Tiefe des Raumes“ am 11. September in Bochum war ein sensationeller Erfolg. Im Feuilleton der Tageszeitung DIE WELT (13.9.2005) schreibt Stefan Keim über dieses Ereignis:

„’Jetzt geht's lohos’ grölt der Chor, eine Flöte fiepst nervtötend hoch, die Trompeter der Bochumer Symphoniker mühen sich, die Aida-Fanfare möglichst unsauber zu spielen. Komponist Moritz Eggert will nämlich eine authentische Klangkulisse heraufbeschwören. Sein Fußball-Oratorium ‚Die Tiefe des Raumes’ - eine Koproduktion der Ruhrtriennale mit dem Kulturprogramm zur WM 2006 - soll keine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Fußball als Metapher sein. Sondern ein ganz konkretes Musikdrama, von Fans für Fans, mit Ball und Blutgrätschen, Trainerausrastern und Torgeschrei. Der Fußball gibt die Basis vor, auf der Gedanken schon einmal frei fliegen, die das Kicken in der DDR mit ‚Wismut Aue, Fußballmacht’ herbeifantasieren oder den gnadenlos geradebrechten ‚Struuunz’-Monolog von Ex-Bayern-Coach Trappatoni als Textgrundlage einer italienischen Opernarie verwursten. Librettist Michael Klaus, der schon das hinreißend witzige Schalke-Musical ‚Nullvier - Keiner kommt an Gott vorbei’ geschrieben hat, collagiert geschickt Stilblüten von Fußballern, Fans und Journalisten.

Moritz Eggert hingegen ist bei allem Spaß an der musikalischen Illustrierung durchaus ernsthaft zu Werke gegangen. In fast jeder Szene verwendet er einen anderen Stil. Die ‚Hymne an den Ball’ könnte aus dem ‚Rosenkavalier’ stammen, es gibt einen Schlager, Klangcollagen, große Arien. Und immer wieder deutliche Bezüge auf das ‚Oratorium’ in einer opernartigen, an Händel geschulten Prägung.

Im Mittelpunkt steht ein junger Spieler, ein Tenor (kultiviert und kraftvoll: Corby Welch), der in kurzer Frist Tore schießt und Elfmeter vergibt, von den allegorischen Gestalten Tugend und Laster umgarnt wird und schließlich in einer Apotheose des Ballspiels zu sich selbst findet und Erlösung bringt. Dieser Spieler ist eine Jesusfigur, der ein Bariton-Journalist als Evangelist zur Seite steht. (...)“