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Presse zu Jan Müller-Wielands Hamburger „Gastspiel“

Die Neuinszenierung der Jung-Regisseurin und Hochschulabsolventin Nadine Stahnke von Jan Müller-Wielands frühem, hinreißenden Musiktheater-Werk „Das Gastspiel“ am Jungen Forum der Musikhochschule Hamburg (Premiere am 3.11.2005) war ein einzigartiger Erfolg. In der Hamburger Presse war dazu zu lesen:

Gastspiel eines Getriebenen

„(...) Im ‚Jungen Forum Musiktheater’ in der Hochschule für Musik und Theater gewinnt Regisseurin Nadine Stahnke dem Kompakt-Chaos-Einakter viele komische Seiten ab; die Charaktere präsentieren sich mit scharf gezeichneten Konturen. Jan Müller-Wieland liefert in seinem 1992 entstandenen Opern-Debüt ‚Das Gastspiel’ die faszinierend-hektische Vorlage dazu - und schafft das Kunststück, eine gespielte halbe Stunde auf eine auszudehnen und gleichzeitig beim Zuhörer das Gefühl atemloser Hetze entstehen zu lassen; Klavier und Percussion treiben die Sänger farbenfroh durch die Varianten des Scheiterns ihrer Figuren. Sopranistin Lini Gong meistert die Partie des Groupies mit großer Präzision und urkomischem Talent. Das besitzt auch der echte Kammersänger Carl Schultz als Professor, der fast alles tut, um den auf ‚Tristan’ fixierten Sängerstar zu einem guten Wort für seine eigene unaufgeführte Oper ‚Herman’ zu erpressen. Bariton Tom Schmidt gibt den Kammersänger und dessen hilflose ‚Tristan’-Anläufe mit würdevoll zerbröselnder Grandezza. Und schließlich muß Larissa Neudert erwähnt sein, die aus der Rolle als geknechteter Liftboy immer wieder stimmgewaltig ausbricht. Ein lohnender, kurzer und kurzweiliger Opernabend, bei dem niemand den verhinderten ‚Tristan’ vermißt.“

(Hamburger Abendblatt, 5.11.2005)

Es rauscht und raunzt, es klingelt, scheppert und feixt im Orchestergraben

Theater im Theater und Musik in der Musik: "Das Gastspiel" von Jan Müller-Wieland als vergnügliche Diplominszenierung

(...) Humor in der Musik - vor allem musikalischer Humor in Deutschland - ist ein rarer Artikel. Da kann eine satirische Vorlage, wie sie Wedekind 1899 mit seiner Groteske auf einen in die Betriebsmühle gezwängten Tristan-Sänger gelang, Wunder wirken. Einem Komponisten bietet sie gleich mehrere Anreize: Hauptfigur ist ein Wagnersänger am Karriereknick, der sich im Namen einer scheinheiligen Kunstmoral zudringlicher Damen erwehrt, während er den ungebetenen Arienproben eines greisen Opernkomponisten stattgibt, die ihn nicht minder vom nötigen Partienstudium abhalten. Bei soviel Theater im Theater und Musik in der Musik müßten die Klangdüsen eines Ausdrucksmusikers und Temperamentsbolzens wie Müller-Wieland eigentlich nur so spritzen.

Tun sie auch. Selten zartfühlend, steht die Musik, die sich nur schamvoll dem Tristan-Akkord hingibt, unter juvenilem Hochdruck. Unablässig rauscht und raunzt, klingelt, scheppert und feixt es im Orchestergraben, der drei Konzertflügel und unzähliges Schlagwerk beherbergt - ein Stromwirbel aus Scherz, Ironie, Satire und tieferer Bedeutung. Getrieben von des Komponisten Sturm und Drang, skandieren die perkussiven Rhythmen das Verrinnen der Zeit, die dem Tristan-Mimen bis zu seinem Auftrittstermin in Brüssel bleibt. Als Bariton genügt er pikanterweise nicht mal dem tenoralen Stimmfach seiner Rolle. Tom Schmidt karikiert und entlarvt Gerardo als Bühnen-Marionette (fast) ohne Kleider. (...)“

(DIE WELT, 5.11.2005)