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Rattenscharfe Opernkunde: Gleb Sedelnikows „Arme Leute“ in der Opera stabile

Die Jung-Regisseurin Christine Cyris hat in Kooperation der Forums des Musikhochschule Hamburg und der Hamburgischen Staatsoper Gleb Sedelnikows berührende Kammeroper „Arme Leute“ neuinszeniert. Zur Premiere am 3. Dezember in der Hamburger Opera stabile schreibt die Tageszeitung DIE WELT (Ausgabe 5.12.2005):

„’Nun nennt mich nur Ratte! Auch die Ratte erbringt einen Nutzen, auf den Nutzen allein kommt es an’ - wer so redet, hat die Neurose schon zum Bleiben aufgefordert. Makar Dewuschkin ist ein einfacher Mann mit vielen Problemen, die er sich in seinen Briefen an die leidensgeprüfte junge Warwara Dobrosjolowa von der Seele schreibt. Zwei wirklich ‚Arme Leute’, die beiden Protagonisten des Einakters Sedelnikows von 1974, der auf dem gleichnamigen Briefroman Dostojewskis basiert. In der Opera stabile zeigte das Junge Forum Musiktheater nun die Premiere des Stücks. (...) Makar (Jan Friedrich Eggers mit volltönender Stimme) hat zwar den größeren Aktionsradius, turnt durch den Schnürboden und bebt vor Aggression. Doch verharrt er selbstmitleidig in seinem Elend, benutzt das Mädchen als Ventil für seine Frustrationen. Sie ist für ihn bloß ein Objekt, weshalb er oft lieber mit einer Schaufensterpuppe redet, der er auch mal an die Brust langen kann. Hier fühlen wir uns an Konwitschnys ‚Lulu’ erinnert. Die Bühne von Matthias Engelmann reflektiert die Vielschichtigkeit, transparente Vorhänge ver- und enthüllen weitere Schauplätze, zeigen Verlorenheit im Neonlicht und verklärte Kindheitserinnerungen zwischen kahlen Birkenstämmen. Boris Brinkmann hat beim Dirigieren Augen und Ohren überall. Durch solistische Qualitäten besticht das Kammerensemble, so begleitet die Bratsche den Abgesang der Magd: "Wir müssen alle sterben", tröstet sie den Mörder Makar, und schreitet dann hoch erhobenen Hauptes hinaus.“ (nie)