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Xiaoyong Chen und Tan Dun bei „Neue Musik“ auf NDR Kultur

Besucher der alljährlich in Shanghai stattfindenden chinesischen Musikmesse bekommen einen Eindruck, in welch rasantem Tempo sich die ostasiatische Szene entfaltet. Längst hat der Kontinent auf dem Weltmarkt auch in der zeitgenössischen Musik eine kreative Identität errungen und sendet nicht nur exzellente Talente wie Lang Lang oder Yundi Li als exklusive Interpreten in den Westen. Große, international bekannte Namen der chinesischen Komponistenszene sind Xiaoyong Chen, Tan Dun oder Bright Sheng.

Der NDR hat hochinteressante Werke herausragender chinesischer Komponisten zum Mittelpunkt der Sendung „Neue Musik“ am 22. Februar 2006 (21.00-22.00 Uhr) gemacht. Von Xiaoyong Chen wird das Ensemblestück „Warp“ erklingen. Die englische Bezeichnung habe er gewählt, weil er auf assoziativer Ebene soviel wie Verzerrung, Kette oder Zeitverschiebung ausdrücken wolle, erklärt Chen. Eine begrenzte Anzahl von Tönen wird durch verschiedenartige Artikulationen, Anschlagsformen, Umstimmung der Saiten von Streichern, Verfremdung der Klänge durch Verschmelzung zwischen Klang und Geräusch und mehrschichtige Dynamik erzeugt. Der Rhythmus ist zum Teil frei notiert und nicht metrisch gebunden. Er kann während der Aufführung von den momentanen Reaktionen des Spielers auf das Gehörte, und von der spontanen Interaktion zwischen den Spielern beeinflusst werden. Schließlich vergleicht Chen seine Instrumentalmusik mit dem eigenwilligen Charakter der chinesischen Sprache, in der ein und dieselbe Silbe – je nachdem, auf welcher Tonhöhe sie gesprochen wird – ihren Sinn verändert.

Gerade erst in der vergangenen Woche war der in den Vereinigten Staaten lebende chinesische Komponist und Dirigent Tan Dun zu Gast in der Hansestadt. Eingeladen hatten ihn die Philharmoniker Hamburg zu ihrem siebten Philharmonischen Konzert. In der Klassikszene ist Tan Dun fast eine Kultfigur: ein Wanderer zwischen den Welten, ein Klangexperimentator und Musikdramatiker und nicht zuletzt ein Oscar-gekrönter Filmmusikkomponist, der mit dem Soundtrack „Tiger and Dragon“ Weltruhm erlangte. Neben Werken von Dmitri Schostakowitsch und Alexander Borodin dirigierte Tan Dun bei seinem Hamburger Gastauftritt auch sein Konzert für Violoncello, Video und Orchester „The Map“ in deutscher Erstaufführung.

Eigenen Äußerungen zufolge beschreibe er in diesem Stück unter anderem die Klangphilosophie altchinesischer Steintrommler. Auf vier Monitoren waren deshalb chinesische Musiker und Aufnahmen von Tan Duns fernöstlicher Heimat zu sehen.

Nicht minder spektakulär ist Tan Duns im Rahmen der Münchner Biennale 1996 uraufgeführte Oper „Marco Polo“. Sieben Jahrhunderte nach der abenteuerlichen Reise des Venezianers schuf der Komponist ein Musikdrama, das nicht eigentlich die reale, sondern die geistige Reise in unbekannte Regionen zum Inhalt hat. Die Musik ist geprägt von Elementen der Peking-Oper, Kabuki, des indonesischen Schattentheaters bis hin zu tibetanischen Ritualen. Die physische Reise Marco Polos von Italien nach China findet ihr Pendant in der sich immer weiter zum fernöstlichen Ambiente bewegenden Musik. Die Protagonisten sind mehrfach aufgefächert, entweder in real handelnde Personen oder aber in schattenhafte Figuren aus späteren Epochen wie Scheherazade, Mahler, Dante oder Shakespeare. Selbst die Natur ist personifiziert. Im Rahmen der Sendung auf NDR Kultur erklingen die Abschnitte „Himalaya“ und „The Wall“.