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Schostakowitschs erschütternde Klage gegen den Krieg: Die Achte in Hamburg

In ihrem 9. Philharmonischen Konzert am 23./24. April 2006 haben die Hamburger Philharmoniker unter anderem die Achte Sinfonie c-Moll op. 65 von Dmitri Schostakowitsch zur Aufführung gebracht. Die Tageszeitung DIE WELT schreibt dazu in ihrer Ausgabe vom 26. April 2006:

"(...) Musik, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs von einem Amerikaner, einem Engländer und einem Russen komponiert, war das Motto des Konzerts. Die Philharmoniker-Chefin Simone Young ließ nicht nur schwarze Nebelschwaden drohenden Unheils aufziehen, sondern verwandelte die Steigerungen auch in aufschreiartige Anklagen.

Den stärksten Trost im ganzen Programm spendete Samuel Barber mit seinem elegisch-leidenden Adagio for Strings op. 11 zu Beginn. Emphatisch und flehend schälten sich vor allem die Bratschen und Celli aus dem dunkelgetönten Klangteppich hervor (...)

Fast die Hälfte von Schostakowitschs über eine Stunde dauernden Achten nimmt das schier endlos wirkende erste Adagio ein, in dem motorische Passagen, Gewaltausbrüche und das über zitternden Tremoli verloren wirkende Fagott eine Bedrückung erzeugten, der sich niemand entziehen kann. Immer wieder schuf Young ein daunendeckenartiges Fundament, auf das sie die vielen Solopassagen der Holz- und Blechbläser sanft niedersinken ließ. Um so schärfer war ihre Orchester-Munition im Allegretto, wo Mareille Krügers Piccolo über dem brutalen Orchestersatz blitzte und die Schlagzeuggruppe kaum zur Ruhe kam.

Als ob Schostakowitsch sein geistiges Auge über ein Schlachtfeld mit abertausend Dahingemordeten schweifen läßt, klingen das Largo und das immer kammermusikalischer werdende Finale. (...) Das Geheimnis bei Schostakowitsch ist nicht nur der große Bogen, sondern das paßgenaue Einfügen der vielen kleinen Puzzleteile in diesem erschütternden, einem positiven Ausblick sich vehement verweigernden Orchesterwerk."

(DIE WELT)