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Gubaidulinas Akkordeon-Klassiker „De profundis“ in der Sendung „Neue Musik“ auf NDR Kultur

Das Motto der Sendung „Neue Musik“ auf NDR Kultur am 5. Juli 2006 (21.04.-22.00 Uhr) drückt sich in dem bemerkenswerten Titel „Allein!“ bereits unmissverständlich aus. Werke der Neuen Musik für Solo-Instrumente stehen im Mittelpunkt, unter anderem Musik von Pierre Boulez, Helmut Lachenmann und Sofia Gubaidulina.

Im Bereich der Neuen Musik hat ein Werk von Sofia Gubaidulina bereits den Status eines Klassikers hat: „De profundis“ für Akkordeon solo. Dass sich Instrumente in ihrem Klangbild der menschlichen Stimme nähern können oder Ausdrucksbereiche von Sprache und Lautbildung nachzuahmen imstande sind, ist keine Errungenschaft der Neuen Musik allein. Wohl aber hat die Avantgarde das Spektrum erheblich erweitert. Das Solostück „De profundis“ ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Der Hörer wird Zeuge einer langsamen und unaufhaltsamen Steigerung vom „Röcheln“ des untersten Akkordeon-Registers bis zu den reinen und zarten Tönen des obersten: „ein Aufstieg vom Niedrigsten zum Höchsten, dem Atem, der Seele bis hin zur Weltseele oder der Weisheit, wie es Gubaidulinas Freund und Kollege Viktor Suslin einmal ausgedrückt hat. Mit den Mitteln des Klangs überträgt Gubaidulina ein Symbol des Lebens auf die Musik: den Atem. Der Atem unterscheidet das Lebendige vom Toten. Welches andere Instrument als allenfalls die Bläser könnte diese Eigenschaft besser zum Ausdruck bringen, als das Akkordeon. Im Gegensatz zu den Bläsern ist das Akkordeon aber ein Instrument, bei dem nicht der Spieler atmet und Atemgeräusche herstellt, sondern das Instrument selbst diese Funktion übernimmt. Es atmet durch das Auseinanderziehen und Zusammendrücken des Balgs.

Gubaidulina wählte zur Grundlage ihrer Komposition die Zeilen des Psalms 130 „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ zur Charakterisierung ihrer verschachtelten Botschaft. Zuweilen klingen schattenhaft Choralmelodien an, bestimmend bleibt aber die Grundidee des Aufsteigens. Immer wieder stören scharfe Einwürfe und expressive Gesten, eindringliche Glissandi und nervöse Vibrati die Bewegungsrichtung. Und dann sind da die bewusst eingebauten Atmer des Instrumentes, das Dahingehauchte, kaum Hörbare, das sich den kraftvollen Akkordblöcken entgegenstellt. Die Musikologin Valentina Cholopowa sagte dazu einmal: „All diesen Klängen sind feierliche, mit Figurationen reich ausgestattete Akkorde gegenübergestellt, aber auch eine lange, einstimmige Melodie, die den gesamten symbolischen Weg des Werkes durchläuft – aus der Tiefe bis in die strahlende Höhe.“