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Schostakowitsch gewidmet: Krzysztof Meyers Versuch eines 16. Streichquartetts

Der Komponist Krzysztof Meyer hat Dmitri Schostrakowitsch, dessen 100. Geburtstag wir am 25. September 2006 gedenken, persnlich gekannt. Lange trug er sich mit dem Gedanken, der bedeutenden Streichqaurtettserie des groen Komponisten etwas Persnliches hinzuzufgen, eine Art "Verneigung", wie Meyer selbst formuliert. Krzysztof Meyer schreibt zu seiner neuen Komposition "Au del d'une absence":

Schostakowitsch plante die Komposition von 24 Streichquartetten in allen Tonarten. Es war ihm jedoch nicht gelungen, seinen Plan zu verwirklichen. Die 15 Werke dieser Gattung, die er hinterlie, stellen indessen eines der bedeutendsten Kapitel der Kammermusik im 20. Jahrhundert dar.

Als ich im Frhjahr 1974 zum letzten Mal den mittlerweile schwer erkrankten Komponisten in Moskau besuchte, stellte ich ihm eine in dieser Situation mglicherweise unangebrachte Frage: Und wann kommt das 15. Streichquartett? Ist da mglicherweise schon etwas im Werden? Nein, da ist noch nichts dergleichen, antwortete Schostakowitsch, noch schrieb ich nichts nieder ... Und als ob er sich rechtfertigen wollte, fgte er hinzu: Ich war doch krank ...; aber ich schreibe, ich schreibe es ganz gewiss. Wissen Sie, ich habe sogar schon zwei neue Quartette im Kopf. Das nchste wird ein Adagio sein. Ein einziges groes Adagio, vielleicht sogar ein Grave ... in einem Satz. Und das 16. wird dreiteilig, mit einer Fuge im Finale, verstehen Sie, mit einer Doppelfuge. Der zweite Satz sanglich, sehr sanglich ...

Wenig spter entstand das 15. Streichquartett, gnzlich im Adagio gehalten. Schostakowitsch wich von seiner Uridee freilich insofern ab, als er anstelle einer einstzigen eine sechsstzige Form whlte. Mit der Tonart es-Moll behielt er zugleich aber den bestehenden tonalen Plan. ber das Folgewerk, das hchst wahrscheinlich in H-Dur komponiert werden sollte, hatte er sich noch vor Dmitri Tsyganow, dem Primarius des Beethoven-Quartetts, geuert: Ich beschloss, das 16. Streichquartett zu schreiben und es Euch, dem Beethoven-Quartett in seiner neuen Besetzung, zu widmen. (D. Tsyganow, Polwieka wmjestje in: Sowietskaja Musyka 9/1976, Seite 31.)

Dazu sollte es nicht mehr kommen. Insofern stellt Au-del dune absence eine imaginre Fortsetzung von Schostakowitschs Zyklus dar und ist meine Verbeugung vor dem groen Komponisten. Gnzlich unterordnete ich mich dabei seiner Stilistik, ohne jedoch aus seinen Werken zu zitieren. Die Urauffhrung fand am 5. Juni 1998 in Hamburg unter Mitwirkung des franzsisch-belgischen Quatuor Danel statt.

Im Einklang mit Schostakowitschs Absicht besteht das Streichquartett aus drei Stzen. Dem ersten, einem Sonatenkopfsatz, liegen zwei Themen zugrunde: Das erste ist dramatisch, das zweite enthlt lyrische Elemente. Bei der Komposition des melodischen, sehr kantablen zweiten Satzes hatte ich die ganze Zeit Schostakowitschs Worte im Sinn. Der dritte Satz, eine Doppelfuge, schliet nahtlos an. Als eine Art Post Scriptum folgt noch ein Epilog. Das Werk klingt aus in Pianissimo, wie die meisten der Quartette Schostakowitschs.

(Krzysztof Meyer)