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„Anna Who Was Mad“. Sieben Lieder aus “wide unclasp“ von Moritz Eggert in Dortmund

Bettina Koziol (Gesang) und die Europäische Ensembleakademie werden am 23. März 2007 in Dortmund das Werk „Anna Who Was Mad“. Sieben Lieder aus „wide unclasp“ in einer Bearbeitung für Singstimme und 15 Instrumente von Moritz Eggert zur Uraufführung bringen. Eine Folgeaufführung schließt sich am 27. März in Ljubljana an.

Zu „wide unclasp“ hat Moritz Eggert im Jahr 2002 folgednen Text veröffentlicht: „Das Winchester-Haus ist ein sehr merkwürdiger labyrinthiner Ort in der Nähe von San Francisco: Hier lebte die Erbin der Winchester-Gewehrfabrik, die sich unter dem Fluch der durch die Winchester-Gewehre Getöten wähnte, und daher aufgrund eines Ratschlags einer Spiritistin ein Haus bezog, „in dem der Klang der Hämmer und Sägen niemals aufhören soll“, d.h. das niemals fertiggebaut wurde.

38 Jahre (bis zu ihrem Tod mit fast 90 Jahren – anscheinend half der Rat!) lebte Mrs. Winchester in diesem riesigen Anwesen, das aufgrund ihrer zum Teil sehr seltsamen Anweisungen ständig weiter-, über und umgebaut wurde, und das bis heute als eine Art real existierende Vision eines M.C. Escher erhalten ist – 160 Zimmer, 13 Badezimmer, 47 Kamine, 10.000 Fenster, 52 Dachlichter, 2000 Türen und 40 Schlafzimmer. Und es wären noch mehr, wenn nicht ein Erdbeben einen Teil des Hauses zerstört hätte.

Das ganze Haus ist wie die Verkörperung eines komplexen Innenlebens – Treppen enden sinnlos in der Decke, Türen führen nirgendwo hin oder nach draußen (allerdings vom 4. Stock, ohne Balkon, zu einem fatalen Sturz). Es gibt kein vergleichbares Haus auf der ganzen Welt, und es zählt, wenig überraschend, zu den „top 10 haunted houses of the world“.

Im nie benutzten Ballsaal gibt es 2 seltsame Fenster mit Shakespeare Zitaten: „Wide unclasp the tables of their thoughts“ und „these same thoughts people your little world“. Die Zitate sind aus 2 verschiedenen Shakespearestücken („Troilus und Cressida“ und „Richard II“) und eigentlich gibt es keinen Zusammenhang zwischen ihnen. Die geheime Bedeutung dieser Zitate für sie nahm Sarah Winchester mit ins Grab.

Kurz vor ihrem Selbstmord im Jahre 1974 schrieb die amerikanische Lyrikerin Anne Sexton einige Gedichte, in denen sie sich auf sehr persönliche Weise mit dem Thema „Gott“ auseinandersetzt (unter dem Titel „The awful rowing towards god“ als Zyklus erschienen). In diesen Gedichten gibt es sehr oft Assoziationen zu Räumen, ja zu ganzen Häusern, die sich mit schrecklichen, komischen, skurrilen Erinnerungen füllen. Anne Sexton ist auch hier scheinbar auf dem Rückzug in ein inneres Gedächtnishaus von immensem Ausmaß - gleichzeitig fasziniert aber auch die sanfte Ironie, die in den Gedichten jegliches aufkommendes Pathos verhindert.

In „wide unclasp“ wird die Sextonsche Innenwelt mit den labyrinthischen Gängen des Winchester-Hauses konfrontiert. Die Auswahl der Texte (zu der auch zwei Gedichte aus dem Band „Buch der Torheit“ - „Book of Folly“ von Anne Sexton zählen) erzählt eine Geschichte, die kryptisch und offen zugleich ist. Eingerahmt wird der Zyklus von der Vertonung der Shakespeare-Zitate („wide unclasp“ und „these same thoughts“).“