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„Grenzübertritt“: Ein Kammermusikwerk von Viktor Suslin am 7. März 2007 auf NDR Kultur

Am 7. März 2007 kommt es in der Sendung „Neue Musik“ auf NDR Kultur (21’24 bis 22’00 Uhr) zur Ausstrahlung von Viktor Suslins Kammermusikwerk „Grenzübertritt“ für Viola, Violoncello und Kontrabass. Davor erklingt ein Werk des russischen Avantgardisten Ivan Wyschnegradsky, auf dessen Grundlagen Suslin aufbaut.

Musik ist empfundene, verzeitlichte, hörbare Mathematik. Und dies in allen Parametern ihrer Erscheinungsform, egal ob wir ihren Verlauf vonseiten des Rhythmus oder die Vertikale, etwa einen Akkord vonseiten seiner Schwingungsverhältnisse aus betrachten. Mit Klangfarben und Erweiterung des Instrumentatriums bzw. des Klanges bis hin zum reinen Geräusch hat die Neue Musik im vergangenen Jahrhundert Mauern eingerissen und das Wahrnehmungsempfinden schärfen gelehrt. Nichts erschien den Komponisten zu abstrakt, zu weit vom Gewohnten entfernt, ja zu wenig radikal, um es einem für Neues empfänglichen Publikum vorzustellen oder gar zuzumuten. Das war nicht erst in den Nachkriegsjahren so, wo sich auf der Grundlage von Schönbergs Zwölftontechnik der Serialismus und die Entdeckung der Elektronischen Musik entfaltete. Radikale Versuche gab es auch vor dem verheerenden Zweiten Weltkrieg und zwar ebenso innerhalb wie außerhalb Europas. Zu den pikantesten Versuchen zählte und zählt bis heute zweifellos die Auseinandersetzung mit den Vierteltönen, die der 1893 geborene Musiktheoretiker und Komponist Ivan Wyschnegradsky revolutionieren sollte.

Die Faszination der Grenzüberschreitung von traditionellen temperierten Stimmungen hat sich bis zum heutigen Tag erhalten. Besonders in der Avantgarde Russlands ist Wyschnegradskys Erbe lebendig geblieben. Die gerade mit dem Bach-Preis der Stadt Hamburg ausgezeichnete Komponistin Sofia Gubaidulina hat sich damit ebenso auseinandergesetzt wie ihr Komponistenkollege und Improvisationspartner Viktor Suslin.

Der Titel seines Stückes für Viola, Violoncello und Kontrabass „Grenzübertritt“ ist durchaus programmatisch zu verstehen. Es handele sich dabei um eine reine musikalische Grenze, erläutert Suslin, nämlich den Übertritt vom wohltemperierten System in eine Diatonik jenseits dieses Systems. Suslin verwendet hierbei einen Trick. Im traditionellen Harmoniegefüge gilt der Tritonus als die schärfste und am dringendsten nach Auflösung strebende Dissonanz. „Weniger bekannt“, sagt Suslin, „sind aber die Auflösungsmöglichkeiten des Tritonus in sogenannte ‚reine’ Konsonanzen wie Quint oder Quart, indem sich die Stimmen in Vierteltonschritten auseinander- bzw. zueinander bewegen.“