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„Es spielt Boulanger“ – zum 50. Todesjahr des großen Geigers und Komponisten Georges Boulanger 2008

Eine buntere und spannendere Lebensgeschichte als die des rumänischen Virtuosen und Komponisten Georges Boulanger (18. April 1893 – 3. Juni 1958) haben wohl nur wenige Geiger aus dem 20. Jahrhundert vorzuweisen. Geboren im rumänischen Tulcea erlernte der junge Boulanger bereits als Kind nicht nur das Geigenspiel, sondern in guter Familientradition auch gleich noch Kontrabass und Gitarre. Schon mit zwölf Jahren nahm er das Studium am Bukarester Konservatorium auf und wurde später vom berühmten, in Dresden unterrichtenden Geigenprofessor Leopold Auer ausgebildet. Dieser schenkte seinem vielversprechenden Eleven nicht nur sein eigenes Instrument, sondern vermittelte ihm zudem noch einen Vertrag als erster Geiger im luxuriösen „Café Chantant“ in St. Petersburg.

In der Tat war es Russland, wo Boulanger seinen Stil, der sein gesamtes Werk kennzeichnen sollte, entwickeln konnte. Dessen Merkmale: „Unterhaltungsmusik“ in höchster qualitativer Ausprägung, eine Mischung aus Zigeunermusik, balkanischer Folklore und Wiener Walzer. Nach der Revolution von 1917 verließ Boulanger Russland, kehrte nach Rumänien zurück, übersiedelte aber später nach Berlin. Mit seinen Tanzlokalen, Cafés, Hotels, Kabaretts und vielen Sälen war Berlin das rechte Pflaster für den feurigen Geiger, und es dauerte nicht lange, bis das Emblem „Es spielt Boulanger“ zu einem Qualitätsmerkmal erster Klasse wurde. Die Kriegsjahre verbrachte Boulanger in Deutschland und beschloss – spontan, wie er nun einmal war – 1948, nach Brasilien auszuwandern. Hier fand er in fortgeschrittenem Alter unendlich viel Arbeit und große Anerkennung und bereiste das ganze Land, bis er seinen ersten Vertrag mit dem Rundfunksender „Radio Belgrano” in Argentinien schloss. Bis zu seinem Tod am 3. Juni 1958 lebte er dann in Olivos, einem Vorort der Stadt Buenos Aires.

Beim Sikorski Verlag sind von Georges Boulanger Originalkompositionen für Violine und Klavier in dem Sammelband „Bunte Perlen“ (SIK 1376) sowie der berühmte Pizzicato-Walzer für die gleiche Besetzung in einer Einrichtung von Helmut Zacharias (SIK 581) herausgekommen. Vom gleichen Werk existiert auch eine Fassung für elektronische Orgel (SIK 1302).