Komponistensuche

Suche nach Nachnamen

Detailsuche

Repertoiresuche

Katalogsuche

Lera Auerbachs „Kleine Meerjungfrau“ schwimmt durch Hamburg

Das zum Andersen-Jahr an der neu erbauten Oper Kopenhagen uraufgeführte Ballett „Kleine Meerjungfrau“ von John Neumeier zu Musik der russisch-amerikanischen Komponistin Lera Auerbach erlebte am 1. Juli zur Eröffnung der Hamburger Balletttage 2007 an der Hamburgischen Staatsoper seine Deutsche Erstaufführung.

Im „Hamburger Abendblatt“ lesen wir dazu (3.7.2007):

„(...) Es ist der wundersam bewegende Schicksalsweg der Meerjungfrau, den John Neumeier aufzeichnet, und es ist der Triumph der Tänzerin Silvia Azzoni, die dem dem Meer entflohenen Wesen Kraft und Herz gibt. Sie ist es, die in einer von Neumeier als durchgeknallt und banal gezeichneten Gesellschaft, als Gegenwelt zur Harmonie in der sich einst die Meerjungfrau bewegte, kein Verstehen finden kann. Sie muss an ihrem falschen Bild von der Menschenwelt, an ihrer reinen Liebe zu einem Mann scheitern.

Sivia Azzoni tanzt das alles mit einer solch überirdischen Entrücktheit und dennoch so diesseitig bezaubernd, dass wir zutiefst angerührt sind. In einem wundervollen Pas de deux mit Carsten Jung als übermütig viriler, die Liebe des Mädchens ganz und gar nicht verstehender Prinz, der wiederum die kapriziös elegante Prinzessin liebt. Hélène Bouchet tanzt sie ausgezeichnet. (...) Lloyd Riggins tanzt die Figur des Andersen. In einem pantomimischen Vorspiel sehen wir einen schrullig zappeligen Dichter mit Gehrock und Zylinder, der mit der Träne verflossenen Unglücks in die Meerestiefen taucht. Der an sich großartige Charaktertänzer muss dem in Wirklichkeit schwer neurotischen Andersen Facetten des Leidens abgewinnen mit der Attitude von Heinrich Hoffmanns fliegendem Robert. (...) John Neumeier gelingt es dabei nicht, reine Komödiantik zu choreografieren, die keinesfalls mit sonnenbebrillten Nonnen im Zickenschritt zu erreichen ist. Diese platten Szenen stehen im krassen Kontrast zur weich wogenden Wasserwelt, die Neumeier entworfen hat.“

Die Tageszeitung DIE WELT kommentiert:

„Der Wasserspiegel fällt und steigt, senkt das Geschehen in die Tiefe, spült es an die Oberfläche. Eine wellige leuchtende Linie reicht zur Markierung. Dann verwandelt sich der Hintergrund von einem surrealen Blau zu realen Wolkenbildern. Die schlichte Klarheit des Bühnenbildes hat John Neumeier bei seinem Designerfreund Peter Schmidt abgeschaut. Neben der Choreografie zeichnet sich Hamburgs Ballettindendant in seiner Märchenkreation ‚Die kleine Meerjungfrau’ auch für Bühne, Licht und Kostüme verantwortlich. (...) Azzoni, anfangs selbstbewusst agierendes Geschöpf, wird zur Marionette, als er sie zu dem beinahe ertrinkenden Prinzen hinschiebt, um ihn zu retten. Der Wunsch, ihm nahe zu sein gebiert nach einem Gewaltakt der Verwandlung ein anrührend hilfloses Wesen, wie ein Alien aus einer anderen Galaxie nackt an den Strand einer ihr fremden Welt geworfen. (...)