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DIE WELT über Peter Ruzickas „Memorial“ in Hamburg

Peter Ruzicka war am 8. und 9. Dezember als Dirigent wieder in Hamburg zu Gast, wo er lange Zeit als Intendant der Hamburgischen Staatsoper gewirkt hatte. Auf dem Programm seines Konzerts mit den Hamburger Symphonikern stand auch ein eigenes Werk, das Stück „Memorial“ für Orchester, das der Komponist dem plötzlichen Tod des Dirigenten Giuseppe Sinopoli gewidmet hat. Die Tageszeitung DIE WELT kommentiert das Ereignis in ihrer Ausgabe vom 11. Dezember:

„Als Peter Ruzicka noch Intendant der Hamburgischen Staatsoper war und damit von 1988 bis 1997 auch den Philharmonikern vorstand, versagte er es sich, auf die Programme seines Kollegen Gerd Albrecht, des seinerzeitigen Generalmusikdirektors, Werke aus eigener Feder zu setzen. Bescheiden trat der Komponist hinter den Kulturmanager zurück. Ruzicka trennte konsequent zwischen seiner der Kunst dienenden Intendantenpflicht und der Kür künstlerischer Selbstverwirklichung.

Nachdem er im vergangenen Jahr nun auch die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele an Jürgen Flimm abgegeben hat, steht jetzt das genuin schöpferische Tun im Mittelpunkt des Terminkalenders des Mehrfachbegabten: Als Jurist, Manager, Dozent, Komponist und Dirigent war Ruzicka gleichermaßen aktiv, was ihn zu prädestinieren scheint, nun gar in das Schattenkabinett der möglichen neuen Gralshüter der Bayreuther Festspiele aufgenommen zu werden. Wagner-Walhalls Erbin Katharina hat ihn neben Massimo-Maestro Christian Thielemann zum dritten im Bunde auserkoren, möchte mit dem Dreamteam ihrem Vater Wolfgang Wagner nachfolgen.

Solange all dies jedoch noch Zukunftsmusik ist, widmet sich Ruzicka seiner eigenen Kunst. So geschehen am vergangenen Wochenende, als er zweimal die Hamburger Symphoniker in der Laeiszhalle dirigiert hat. Sehr persönlich gehaltene Musik, die dem Hinscheiden eines Freundes zugedacht ist, eröffnete er die Konzerte: Peter Ruzickas ‚Memorial’ ist nach eigenem Bekunden ein ‚Requiem für Giuseppe Sinopoli’. Der nur zwei Jahre ältere komponierende Dirigent hatte am 20. April 2001 Verdis ‚Aida’ an der Deutschen Oper Berlin geleitet, als er während der Vorstellung einen Herzinfarkt erlitt, dem er am selben Abend erlag. Zuvor hatte Ruzicka seinen Kollegen bereits dafür gewonnen, bei den Salzburger Festspielen einen geplanten Schwerpunkt mit Opern von Richard Strauss entscheidend zu prägen. Dazu sollte es nicht kommen.

Und so enthüllt das ‚Memorial’ auch die persönliche Verstörung über den plötzlichen Tod des Freundes. Wie mit einem brachial heraustrompeteten Angstschrei bricht es wie aus dem Nichts hervor. Dräuendes Blech, düsteres Kontrabass-Gemurmel und donnernde Paukenschläge dienen dem Komponisten zu einer alptraumhaft eruptiven Klangrede, die sich nach ihren zugespitzt expressiven Ausrastern in Sekundenschnelle zurückzieht in ein beredtes Schweigen, eine gleichsam tosende Stille. In ihr schien man die letzten Schläge eines pochenden Herzens zu vernehmen. Weit aufgemachte Klangräume von extremer Tiefe bis zu ebensolcher Höhe rissen die riesige Wunde des Todes auf, ließen die unheimliche Distanz zwischen Hier und Dort geradezu physisch spürbar machen. ‚Das Stück atmet Schwärze’, befand Rezensent Klaus Geitel anlässlich der Berliner Aufführung. Dieses "Memorial" ist kurz, Ruzickas Kunst der fragmentarischen Verdichtung macht es dennoch zu einem Stück großer Musik.“ (Die Welt, 11.12.07)