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Sofia Gubaidulinas „Märchen-Poem“ auf NDR Kultur

Die Sendereihe „neue musik“ auf NDR Kultur steht am 30. Januar 2008 (von 21:07 bis 22:00 Uhr) unter dem Motto Geister und Zauberwelt in der Instrumentalmusik der Gegenwart. Zur Ausstrahlung kommt auch das aparte Orchesterwerk „Märchen-Poem“ von Sofia Gubaidulina mit der Radiophilharmonie Hannover des NDR unter Leitung von Bernhard Klee.

Unheimlich geht es im Märchen zu, wo Geister und Zauberer in die Lebenswelt des Menschen eindringen und ihn zum Widerstand herausfordern. Alles im Märchen ist typisiert, die Figuren, der zeitlose Ort der Handlung und die einem unentrinnbaren Gesetz folgenden Verhaltensweisen seiner mitspielenden Figuren. Nicht nur Kindern vermittelt sich die innere Logik des Märchens ganz unmittelbar, sondern auch Erwachsenen, die sich von den sprunghaften Begebenheiten nicht irritieren lassen. Das Böse im Märchen braucht nicht durch einen persönlichen Namen bezeichnet zu sein. Es genügt, wenn von einer Hexe, einer bösen Fee oder einem garstigen Zwerg die Rede ist, die mit den Urkräften der Natur und ihrer verborgenen Magie auf engste verbunden sind.

Sofia Gubaidulina schrieb im Jahre 1971 die Musik zu einer Rundfunksendung über das tschechische Märchen „Die kleine Kreide“ und betitelte das später selbständig veröffentlichte Orchesterwerk „Märchen-Poem“. Hauptperson des Märchens ist ein kleines Stück Kreide, mit dem man auf Schultafeln schreibt. Die Kreide träumt davon, dass sie wunderbare Schlösser, schöne Gärten mit Pavillons und das Meer zeichnen wird. Aber Tag für Tag ist sie gezwungen, irgendwelche langweiligen Wörter, Zahlen geometrische Figuren auf die Tafel zu malen. Dabei wird sie im Unterschied zu den Kindern, die täglich wachsen, immer kleiner und kleiner.

Sofia Gubaidulina hat die schwebende Unbestimmtheit des Märchens in der fiktiven Vorstellungswelt dieses kleinen Sachgegenstandes in eine zauberhafte Musik verwandelt.