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Magnus Lindbergs „Arena“ in Hamburg: Zum Dahinschmelzen

Mit einem eindrucksvollen Konzert am Sonntag, 24. Februar 2008, in der Hamburger Laeiszhalle hat sich das NDR Sinfonieorchester mit seinem Ersten Gastdirigenten Alan Gilbert zu einer Konzerttournee verabschiedet, in deren Rahmen neben Werken von Sibelius und Schumann auch das 1995 komponierte Orchesterwerk „Arena“ von Magnus Lindberg gespielt werden wird. Auftritte sind in Köln, Prag, Ljubljana und Wien geplant.

In der Tageszeitung DIE WELT (Ausgabe 26.02.2008) wurde das Hamburger Konzert mit folgenden Worten bedacht:

ZUM DAHINSCHMMELZEN

„Kein skandinavisches Land mit Ausnahme Dänemarks vielleicht konnte in der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts eine so starke Identität behaupten wie Finnland. Den lmpuls dafür lieferte ohne Frage Jean Sibelius durch seine kühl aufatmende Sinfonik und Themen, die so schroff wie Eis gebildet sind und bei der leisesten Berührung mit der warmen Instrumentierung seines Orchestersatzes doch gleich zu schmelzen scheinen. Wie sehr die Natürlichkeit und Unmittelbarkeit von Sibelius’ Musik bis in die Gegenwart ausgestrahlt hat, zeigte das NDR Sinfonieorchester unter seinem Ersten Gastdirigenten Alan Gilbert in seinem sechsten Abonnementkonzert am Sonntag im direkten Vergleich mit einem Zeitgenossen.

Ein sinfonischer Satz für Riesenorchester von dem 1958 geborenen Finnen Magnus Lindberg machte dabei den Anfang. ‚Arena’ hatte Lindberg sein 1995 uraufgeführtes Stück betitelt. Ein Stück voller Dramatik, das sehr wohl das Zeug zu einer Sinfonischen Dichtung hätte, wenn Lindberg es nicht von jeder außermusikalischen Ideenwelt abgekoppelt hätte. Ein Stück aber auch, das vor lauter Irisieren und Beben gar nicht zur Ruhe kommen will und Extreme auslotet. Ja, die Musiker des NDR Sinfonieorchesters mussten ihre Stimmhefte sogar auf meterbreiten Pappen ausbreiten, denn zum Umblättern war bei dieser vor Tontrauben nur so zum Bersten gefüllten Partitur gar keine Zeit. Die Arena des Werktitels bildete das Orchester gleichsam selbst. Wie Stimmengewirr in einer großen Menschenmasse griffen die einzelnen Register ineinander. Eine rechte Herausforderung für Gilbert, der das Frontale und Lebendige ja so liebt und die Energieschübe doch zu bändigen versteht. Lindbergs Musik ist eine Absage an den akademischen Konstruktivismus der Gegenwartsmusik voller ungewohnter Wendungen, herrlicher melodischer Einfälle und einem untrüglichen Gefühl für einen farbigen Orchestersatz (...)“