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Begeisterte Kritiken zur Aufführung des Brahms-Klavierquartetts in Schönbergs Orchesterfassung

Das NDR Sinfonieorchester Hamburg spielte am 31. Januar 2008 in der Hamburger Laeiszhalle das Klavierquartett von Johannes Brahms in der Orchesterfassung von Arnold Schönberg aus dem Jahr 1937. Christoph von Dohnányi hatte die Leitung. In der Hamburger Presse war dazu unter anderem zu lesen:

„(...) Ein genialer Wurf des Zwölfton-Revolutionärs aus dem Jahr 1937, der wie Brahms klingen sollte und doch ein echter, mit fremden Federn geschmückter Schönberg wurde. Polierte Klangflächen und messerscharfe Piccoloakzente wie bei Schostakowitsch prägten das Eingangsallegro. Sinfonikerchef Christoph von Dohnányi zog das Gewebe ständig straff, drängte auf eine metallische Holzbläserbehandlung, einen runden mahagonifarbenen Streicherkorpus und dynamische Extreme. Immer wieder wanden sich einzelne Register aus dem Dickicht des Riesenorchesters, und von Dohnányi war sich wohl bewusst, dass die Konturen eines solchen Brahms-Sounds durchaus ein wenig mehr Aggression vertragen können.

Während im durchhörbaren Intermezzo das Strauss- oder Wagner-Orchester in seine klingenden Bestandteile zerlegt wurde, bauten sich massive Akkordblöcke ausgerechnet im langsamen Satz Andante con moto zu bedrohlichen Klangwänden auf. Es ist, als ob Schönberg eine Kohlezeichnung von Leonardo da Vinci nachträglich kunstvoll koloriert hätte, ohne die Schraffuren des Meisters zu verwischen oder gar zu zerstören. Das Ursprungsmaterial wahrt seine Identität, auch wenn die auf Zehnerketten erweiterten Streicher und die in allen Tonlagen grundierenden Bläser ein Mordscrescendo aufsetzen, das zum Charakter eines Andantesatzes so gar nicht passen will. Und obwohl das Element original von Brahms stammt, wirkt das marschartige Intermezzo in diesem sonderbaren Andante doch, als hätte Gustav Mahler auch noch ein paar Vorschläge in die Schönberg-Partitur gemalt. Am weitesten vom Brahms-Idiom entfernt sich Schönberg schließlich im Rondo alla zingarese, wo Flöte, Glockenspiel und Schellenkranz wie ein gigantisches, außer Kontrolle geratenes Orchestrion durcheinanderwirbeln. Herr der Wirbel blieb natürlich Maestro von Dohnányi, der nach einem gewagten Konzertmeister-Schlenker und einer irritierenden Klarinettenzäsur dem zirkushaften Treiben ein krachendes Ende gebot.“

(DIE WELT, 01.02.2008)

„(...) Wo Schönberg draufstand, war in diesem Fall viel Brahms drin, dessen wuchtig orchestriertes g-Moll-Klavierquartett nämlich. Ein wuchtiges Stück Umarbeitung, bei dem das Original unter den dick verklärenden Lackschichten mitunter kaum noch zu erkennen war. Die NDR-Sinfoniker vergruben sich in diese Materie, ließen es im Strukturengebälk krachen und in den instrumentalen Details funkeln. Das machte diese Version nicht notwendiger als die Vorlage, sorgte aber für den anfangs erwähnten Respekt vor erbrachter Tätigkeit (...).“

(HAMBURGER ABENDBLATT, 01.02.2008)