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„Jeder Ton erhält eigenes Chroma“: Gubaidulinas „Offertorium“ in Salzburg

Zum Auftakt der Mozartwoche am 25. Januar 2008 im Salzburger Haus für Mozart spielten der Geiger Christian Tetzlaff und das Mozarteum Orchester unter Leitung von Ivor Bolton das Violinkonzert „Offertorium“ von Sofia Gubaidulina. Reinhard Kriechbaum schreibt in der Salzburger Kulturzeitung DrehPunktKultur vom 27. Januar 2008 dazu: „Das ‚königliche’ Thema von Bachs ‚Musikalischem Opfer’ ist auf mehrere Instrumente verteilt, jeder Ton erhält sein eigenes Chroma, wird aufgeladen mit Farbe. Das hat etwas von Weberns ‚Klangfarbenmelodie’ und sichert dem ‚Offertorium’ übertitelten Violinkonzert von Sofia Gubaidulina auch von den ersten Takten an die entscheidenden Anknüpfungspunkte: Am letzten Triller des Themas macht der Solist seine ersten Motive fest - und das Orchester wird gleich seinerseits wieder an seinem Floskelwerk einhaken, wird in machtvollen Glissandi aufschreien oder gleißend verduften. Es ist eine Musik, die sich sozusagen am eigenen Schopf immer wieder hochzieht, sie sich aus sich selbst heraus emotional hochschaukelt. Beispiellos intensiv wirkend: der Bratschen-getönte Choral gegen Ende.

Die große Geste, vielleicht sogar: das Kalkül mit dem Effekt ist diesem Werk nicht fremd. Das mag gleich beiden Vorbildern widersprechen, die Sofia Gubaidulina im Künstlergespräch, das dem Eröffnungskonzert der diesjährigen Mozartwoche vorangegangen ist, benannte. Anton Webern sei für sie die Leitpersönlichkeit im 20. Jahrhundert, sagte die in Deutschland lebende Russin, und ‚die Hauptfigur in meinem Leben ist Bach’. Wie vertragen sich diese Aussagen mit einem etwas über halbstündigen Werk, das alle Qualitäten eines großen Violinkonzerts des 19. Jahrhunderts in sich vereint - großzügige Geste, Virtuosität, Kalkül mit dem Effekt? Das Geheimnis ist wohl die immanente Schlüssigkeit in der Form, die an diesem Abend, vom Solisten Christian Tetzlaff und nicht weniger engagiert vom Mozarteum Orchester unter Ivor Bolton, sehr plastisch herausgezeichnet wurde.

Es war eben nicht nur vom fingerläufigen Handwerk her beeindruckend, was Tetzlaff da lieferte. Der Geiger schien stets mit beiden Ohren bei den Partnern, und wenn im Orchester Melodieverläufe wie die beschriebene Einleitung spezifische Farbwirkungen und -mutationen haben, so spiegelte sich das auch bei ihm unmittelbar im Bogenstrich. Das unmittelbare Reagieren aufeinander hat die Begegnung mit Stück und Interpreten weit über den Alltag gehoben.“