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Uraufführung von Moritz Eggerts „FREAX“ für vier Schlagzeuger und zwei Pianisten

Im Jahr 2007 kam es am Theater Bonn anstatt der ursprünglich vorgesehenen szenischen zur konzertanten Uraufführung von Moritz Eggerts Oper FREAX nach einem Libretto von Hannah Dübgen. Anschließend an die konzertante Uraufführung folgt am gleichen Abend „Fremdverstümmelung 2007 - FREAX - ein Diskurs über Behinderungen in der Oper“, eine Uraufführung von Christoph Schlingensief.

Im Auftrag der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München ist nun „Freaks“ für vier Schlagzeuger und zwei Pianisten von Moritz Eggert entstanden. Der Komponist weist extra darauf hin, dass beide Werke inhaltlich nichts miteinander zu tun haben.

Die Uraufführung des neuen, von der Oper unabhängigen „Freaks“ findet im Residenztheater München am 2. Juli 2008 statt. Es spielen: Peter Sadlo und sein Schlagzeugensemble, sowie Sigi Mauser und Moritz Eggert an Toy Pianos, Melodikas und Kindertrompeten. Dirigieren wird Jan Müller-Wieland.

Moritz Eggert sagt zu seinem neuen Stück „Freaks“:

„Zeitgenössische Musik, insbesondere wenn sie tatsächlich etwas Originelles hervorbringt, wird oft als „verrückt“, „schräg“ oder „sonderbar“ empfunden. Ich denke wir Komponisten sollten diese Zuschreibungen mit Stolz aufnehmen. Die Reise zu Fremdem und Eigentümlichem inspiriert uns und führt uns auf ein musikalisches Terrain, das wir noch nie zuvor besucht haben. Die Wurzel aller Kreativität ist Intuition und um in der Welt der wirklichen „Freaks“ zu überleben, braucht man eine Menge davon. Die glücklichsten „Freaks“ waren schon immer jene, die sich nicht als vom Schicksal Geschlagene ansahen, sondern als Menschen mit der Gabe die Welt in anderer Weise als der Mainstream zu sehen und zu erfahren.

Als ich einmal in Rom auf einem Flohmarkt herumschlenderte, hörte ich plötzlich eine sehr eigentümlich und sehr faszinierende Musik. Sie schien keiner der herkömmlichen Regeln von Tonalität oder Atonalität zu folgen. Neugierig folgte ich dem Klang und entdeckte einen so genannten „geistig zurückgebliebenen“ Jungen – einen „Freak“ – , der Akkordeon spielte. Nicht etwa für Geld, sondern zu seinem eigenen Vergnügen. Jahrelang habe ich versucht diese so einzigartige und wunderbare Musik dieses römischen Nachmittages aufzunotieren; eine Musik, die frei war von den Beschränkungen die einem das Wissen um Historie und Stil auferlegen, aber weit davon entfernt, willkürlich oder albern zu sein.

Mein Stück „Freaks“ ist durch diese Erfahrung beeinflusst, es ist der Versuch die herkömmlichen Klischees der zeitgenössischen Musik zu vermeiden. Nichtsdestotrotz war meine Herangehensweise analytisch und basiert auf den Möglichkeiten, die sich aus meiner ungewöhnlichen Instrumentenauswahl ergeben. Der Intuition aber habe ich viel Raum gelassen und wenn man genau zuhört, klingt das Akkordeon des römischen Jungen durch und sogar ein Hauch von Zirkus...

(Anmerkung: Das Stück hat musikalisch tatsächlich nichts mit meiner letzten Oper „Freax“ zu tun, sondern ist ein davon vollkommen unabhängig konzipiertes und entstandenes Werk)“