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„Sonnenstrahlen auf zugefrorenen Seen“: NDR Sinfonieorchester spielt 5. Sinfonie von Jean Sibelius

Am 8. und 9. Juni spielte das NDR Sinfonieorchester unter Leitung seines Chefdirigenten Christoph von Dohnányi in der Laeiszhalle Hamburg die Fünfte Sinfonie Es-Dur op. 82 von Jean Sibelius. Sibelius hatte das 1915 komponierte Werk 1919 noch einmal grundlegend überarbeitet. Die Tageszeitung DIE WELT berichtet in ihrer Ausgabe vom 11. Juni 2008:

„Mosaik aus herber Schönheit und dunklem Seelenraunen“

Bewegendes Konzert der NDR-Sinfoniker unter Christoph von Dohnányi

„’Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume, den Betrübten jede Blume ein Unkraut’, sagt ein finnisches Sprichwort. Wer am Montag die Fünfte Sinfonie Es-Dur des finnischen Sinfonikers Jean Sibelius in der Musikhalle mit dem NDR-Sinfonieorchester hörte, bekam den Beweis, dass das auch musikalisch auszudrücken ist. Die herbe Schönheit seiner Heimat, das weite, zuweilen über Hunderte von Kilometern hinweg menschenleere Land mit seinen Wäldern und Seen, hat Sibelius in archaische Klangwelten übersetzt. Man stellt sich die Nebelschwaden über den Wiesen und Moos bewachsenen Böden vor, wenn die Bläser das ruhige Tempo molto moderato eröffnen. Und gleich glitzern Sonnenstrahlen eines frühen, frostigen Morgens auf den Eisflächen zugefrorener Seen.

Obwohl Sibelius die Pauken immer wieder grummeln lässt und die Posaunen mit forschen Einwürfen etwas Bedrohliches ankündigen, ist der Komponist doch stets auf der Suche nach Aufhellung, Licht, ja gleißenden Strahlen, die das Dunkle zunichte machen.

Das NDR-Sinfonieorchester unter Leitung seines Chefs Christoph von Dohnányi gab sich der scheinbaren Spontaneität dieser Musik ganz hin und setzte die bruchstückhaften Phrasen wie ein Mosaik zusammen. Ein Mosaik indes, dessen Muster man erst gewahr wird, wenn man es aus einiger Entfernung betrachtet. Immer wieder lässt Sibelius Phrasen abbrechen oder baut ganz unvermittelt Ausbrüche ein, die unmotiviert im Raume stehen und keinem rechten Ziel entgegeneilen.

Bewegend gerieten der Klarinettengruppe die ersten Takte des Andante mosso, das schnell aus erhabener Ruhe in folkloristische Fröhlichkeit kippt. Flexibel reagierten die Sinfoniker des NDR auf die raschen Binnenbeschleunigungen und harten Stimmungswechsel dieser Sinfonie, deren Widersprüchlichkeit von Dohnányi herauszufordern schien. Er gewährte seinen Musikern den von Bruckner-Sinfonien so gewohnten warmen und voluminösen Bläserglanz, hielt aber die Zügel fest in der Hand, wenn es um Verdeutlichung zerfaserter Strukturen ging. (...)“