Komponistensuche

Suche nach Nachnamen

Detailsuche

Repertoiresuche

Katalogsuche

„Arutjunjans Trompetenkonzert ist ein phänomenaler Tummelplatz“ – Trompetenkonzertbeitrag in „M-Musik zum Lesen“

In der aktuellen Ausgabe der Bläserzeitschrift „M-Musik zum Lesen“ (02/09) ist in der Rubrik „Special“ ein Artikel unter der Schlagzeile „Die Trompete – ein Instrument der Moderne“ erschienen. Darin geht es vor allem um die epochemachenden Trompetenkonzerte osteuropäischer Komponisten wie Alexander Arutjunjan und Eino Tamberg. Hier ein Textauszug:

„Im Vergleich zu anderen Instrumenten, vor allem zu anderen Blasinstrumenten, wurde die Trompete in der Neuen Musik mit ihr gewidmeten Werken außergewöhnlich oft und reich bedacht. Das war ein Jahrhundert vorher keineswegs so. Obwohl sich die Ventil-Trompete seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der Orchesterliteratur ganz und gar durchgesetzt hatte, wurde sie als Solo-Instrument doch eher selten verwendet. Im 20. Jahrhundert änderte sich das nachhaltig. Komponisten wie Henri Tomasi, Ernest Bloch und André Jolivet schrieben eigene Solostücke für die Trompete. Eines der bekanntesten Konzerte stammt aus der Feder von Alexander Arutjunjan.

Arutjunjan wurde in Jerewan geboren. Er absolvierte das Konservatorium seiner Heimatstadt mit Auszeichnung in den Fächern Klavier und Komposition. Von 1946 bis 1948 studierte er in Moskau Komposition bei Litinski und Instrumentation bei Pejko in Moskau. Seit 1954 wirkte er als künstlerischer Leiter der Armenischen Philharmonie in Jerewan. Ausgezeichnet wurde er mit dem Staatspreis der UdSSR (1949) und dem Staatspreis der Armenischen SSR (1970). Für seinen Stil war die armenische Folklore nachhaltig prägend. Arutjunjan leitete seit den 50-er Jahren eine Kompositionsklasse am Konservatorium Jerewan, aus der zahlreiche bedeutende russische Komponisten hervorgegangen sind. Am 23. September 2010 feiert Arutjunjan übrigens seinen 90. Geburtstag.

Sein Trompetenkonzert stammt aus dem Jahr 1950 und entstand in Moskau für den Virtuosen Timofej Dokschizer. Dokschizer war es auch, der die heute üblicherweise gespielte Solokadenz hierzu beisteuerte. Ungewöhnlich ist in jedem Fall der Aufbau dieses Konzertes, das mit einem Andante anhebt. Erst im darauffolgenden in As-Dur stehenden Allegro energico formt sich das Hauptthema heraus, sogleich gefolgt von einem ganz dem klassischem Sonatenhauptsatz nachempfundenen lyrischen zweiten Thema. In einem Zwischenteil zeigt Arutjunjan seine meisterhafte Beherrschung polyphoner Satztechniken. In der „klassischen“ Durchführung präsentieren sich Solist und Orchester in einem lebendigen Dialog. Anstelle eines langsamen Satzes erklingt ein zwischenspielartiges Meno mosso, und gleich darauf ein von der Spieldauer kaum längerer Rückgriff auf das Tempo primo. Der Hauptthemenkomplex wird hier noch einmal hymnisch überhöht, bis das Werk mit der virtuosen Solokadenz schließt. Trompeter lieben das Stück, in Münster sprach der junge Solist Lukas Speckmann von einem phänomenalen Tummelplatz für jeden virtuosen Kollegen und natürlich auch sich selbst.

Das Trompetenkonzert von Alexander Arutjunjan machte Timofej Dokschizers Namen weltberühmt. Neben Dmitri Schostakowitschs Konzert für Klavier, Trompete und Orchester op. 35 zählt Arutjunjans Beitrag zu diesem Genre zu den meistgespielten Trompetenkonzerten Russlands. Im Frühjahr 2005 war Timofej Dokschizer, der bekannte russische Trompeter, Bearbeiter und Herausgeber von Trompetenliteratur, im Alter von 84 Jahren gestorben. Timofej Dokschizer hat auch „Im Stile von Albéniz“ für Trompete und Klavier von Rodion Shchedrin herausgegeben.

Kein Geringerer als Sergei Nakariakov hat Arutjunjans Trompetenkonzert zu einer der besten Einspielungen bei Warner Classics gebracht. „Gott war auf der Suche nach einem Trompeter“, hatte Jean-Jacques Roth bereits 1993 in Montreux 1993 gesagt und die Laufbahn des künftigen Stars prophezeit, „er wählte Sergei Nakariakov!“ Auf Nakariakovs hörenswerter CD sind aber auch die Trompetenkonzerte von Moissei Vainberg und Reinhold Glière, dem Lehrer von Sergej Prokofjew, enthalten.

Ein weiterer osteuropäischer Trompetenkomponist ist Eino Tamberg. Er studierte am Konservatorium von Tallinn bei Eugen Kapp. Von 1953 bis 1959 arbeitete er als Toningenieur beim Estnischen Radio und wurde künstlerischer Berater des estnischen Komponistenverbandes. Seit 1968 ist er Dozent und seit 1978 Professor für Komposition an der Estnischen Musikakademie. 1974 wurde er Sekretär des estnischen Komponistenverbandes. Auf seine Initiative hin entstand eine eigene Kompositionsschule, aus der Musiker wie Raimo Kangro, Peeter Vähi, Margo Kõlar, Toivo Tulev, Mari Vihmand und Mart Siimer hervorgingen. 1999 wurde Tamberg mit dem Staatlichen Estnischen Kulturpreis ausgezeichnet.

Grundsätzlich bekennt sich Tamberg, der auch mit Zwölftonthemen arbeitete (ohne sich dem System der Dodekaphonie zu unterwerfen) und dem beschränkten Zufall (Aleatorik) Raum gewährte, zur Ästhetik des Schönen: „Ich bin ein sentimentaler Mensch und liebe das Schöne.“ Zu seinen „schönen“ Werken rechnet er auch seine beiden Trompetenkonzerte op. 72 (1972) und op. 100 (1997). In bestimmten Akkordfolgen innerhalb lyrischer Abschnitte des 1. Trompetenkonzerts glaubt die estnische Musikwissenschaftlerin Merike Vaitmaa Stilisierungen frühbarocker Figuren zu erkennen.

Sein 2. Konzert für Trompete und Orchester schrieb Tamberg für den Hamburger Solotrompeter Matthias Höfs. Höfs studierte an der Musikhochschule Hamburg und ist dort Professor für Trompete und Kammermusik. Schon früh machte er international auf sich aufmerksam und gewann erste Preise als Solo-Trompeter. Seit 1985 ist er Mitglied des international bedeutenden Blechbläserensembles „German Brass“. Neben dem gängigen Repertoire der Trompetenliteratur widmet er sich auch zeitgenössischer Literatur von namhaften Komponisten wie Eino Tamberg, die ihm Werke zur Uraufführung schrieben. (...)“