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„Schönster Klagegesang, von der Polarsonne beschienen“: DIE WELT über Schnittkes Violinkonzert

Mark Lubotsky, der Violinist und Widmungsträger des 1. Violinkonzertes von Alfred Schnittke, brachte das Werk fast ein halbes Jahrhundert nach seiner Uraufführung in Moskau, am 8. Februar in der Laeiszhalle mit den Hamburger Symphonikern unter Leitung von Andrey Boreyko zur Aufführung. In den vielen Jahren dazwischen hat sich das Werk zu einem Klassiker des Genres unter Violinisten herausgebildet und wurde etliche Male gespielt.

Die Tageszeitung DIE WELT kommentierte das Ereignis in ihrer Ausgabe vom 10. Februar mit den Worten:

„Heute gibt das von Holger Lampson geleitete Musikseminar in Altona öffentlich bekannt, dass es sich ab sofort ‚Alfred Schnittke Akademie International’ zu Ehren des längst etablierten Klassikers der Moderne nennen will. Im Sommer vergangenen Jahres hatte der zehnte Todestag des in Hamburg verstorbenen russischen Komponisten bereits Anlass für eine Vielzahl von Sonderkonzerten gegeben. Zum Beispiel dirigierte der damals scheidende Chefdirigent der Hamburger Symphoniker, Andrey Boreyko, zum Saisonende dessen geheimnisvolle Neunte Symphonie.

Im November 2009 steht nun der 75. Geburtstag Schnittkes bevor, und die Symphoniker dachten sich für ihr sechstes Symphoniekonzert am Sonntag weit im Voraus eine andere Huldigung aus. Andrey Boreyko kehrte als Gastdirigent des Abends zurück ans Pult des von ihm einst so hervorragend geformten Orchesters, und Mark Lubotsky, ein persönlicher Freund und Wegbegleiter des Komponisten, spielte das Violinkonzert Nr. 1 von Alfred Schnittke. Vor 45 Jahren hatte er dieses Werk im Rundfunkstudio Moskau selbst zur Uraufführung gebracht und mit dem ihm ebenfalls gewidmeten Zweiten Violinkonzert in alle Welt getragen.

Das noch zur Studienzeit komponierte Violinkonzert beginnt mit einem ungewöhnlich langen, vom Soloinstrument vorgetragenen Thema, das sich ebenso emphatisch wie bedrückend um ein unerreichtes Zentrum windet. Weder dieser Klagegesang noch die von der Soloflöte später klangschön begleitete Kantilene des Andantes haben etwas Versöhnliches, sondern wirken kühl wie ein Eisblock, der in der Polarsonne schimmert. In einer gewaltigen dynamischen Steigerung schwimmt dieser Eisblock dann auf den Hörer zu und bedroht ihn mit der ganzen Schwere seiner Beschaffenheit. Der 78-jährige Lubotsky beförderte bewusst das Raue, Unverbindliche seines Soloparts an die Oberfläche, und Boreyko konzentrierte sich auf die dazu teilweise kontrastierenden, zauberhaften Orchestereffekte. Mal wird ein kraftvoller Tutti-Einsatz mit einem hauchzarten Beckenschlag abgedämpft, dann wieder wählt Schnittke etwa im Finalsatz versetzte Rhythmen, die an Strawinskys ‚Sacre du Printemps’ erinnern.“

(hpe)