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Regisseur Holger Liebig über seine Arbeit an Judith Weirs „Das Geheimnis der schwarzen Spinne“

Mit der neuen Kinderopern-Produktion der Hamburgischen Staatsoper auf Kampnagel ist der junge, mit Kindern überaus erfahrene Regisseur Holger Liebig betraut. Die Mitwirkenden dieser Produktion sind hauptsächlich Kinder und Jugendliche aus Hamburger öffentlichen Schulen. In diesem Jahr haben sie Judith Weirs Kinderoper „Das Geheimnis der schwarzen Spinne“ erarbeitet. Premiere ist am 8. Februar 2009.

Der Regisseur Holger Liebig im Gespräch über seine aktuelle Arbeit:

Frage: Die Vorlage zu dieser Oper ist ja ganz schön gruselig. Eignet sich der Stoff denn überhaupt für eine Kinderoper?

Holger Liebig: Wenn man die Geschichte eins zu eins auf die Bühne übertragen würde, wäre sie mit Sicherheit nicht für Kinder geeignet. Judith Weir hat deshalb eine Mischung aus einem aktuellen Zeitungsartikel und einer Abwandlung von Gotthelfs Erzählung gemacht.

Es wird zum Beispiel kein ungetauftes Kind vom geheimnisvollen Grünen Jäger gefordert, sondern „nur“ eine Braut. Und durch den typisch britischen Humor, den Weir ins Libretto bringt, wird es kindgerechter.

Frage: Wir befinden uns also in zwei Zeitebenen. Einmal in der Gegenwart und dann im Mittelalter, wo das ganze Drama um die Spinne seinen Ausgang genommen hat. Wie setzen Sie das in Ihrer Inszenierung um?

Holger Liebig: Wir haben eine Bauplane errichtet, die ein Arbeitsklima schaffen soll ähnlich wie es auch bei Kirchenrestaurationsarbeiten zu sehen ist. Und dann natürlich durch die Kostüme. Die zeitgenössischen Szenen werden von zwei nicht singenden Schauspielern in heutiger Kleidung gespielt – es gibt sogar einen Telefonanruf -, und beim Mittelalter wird fantasievoll auf diese Zeit angespielt. Es ist immer derselbe Abschnitt auf der Bühne, wo die zeitgenössischen Szenen stattfinden. Und für den Rest nutze ich die ganze Bühne.

Frage: Wie alt sind denn die mitwirkenden Kinder?

Holger Liebig: Das Altersspektrum reicht von acht bis achtzehn. Die größeren Rollen sind ab zwölf besetzt. Der Graf Heinrich ist elf Jahre alt. Ich wollte das so haben, weil ich bei dieser Rolle sofort an einen „kleinen Größenwahnsinnigen“ gedacht habe.

Frage: Ist es schwer, den Kindern das szenische Arbeiten zu vermitteln?

Holger Liebig: Da ich schon als Assistent jahrelang für die Opera-piccola-Serie gearbeitet habe, habe ich gelernt, wie man Kinder in Szenen einführt, indem man die Grundsituation erklärt und dann fragt, wie die Kinder das empfinden. Es ist gut, wenn der Impuls von den Kindern kommt. In diesem Stück ist zum Beispiel eine wesentliche Frage, was eigentlich gruselig ist. Wie weit kann man damit gehen?

Man merkt bei Kindern sehr schnell, ob etwas kindgerecht ist, weil sie sofort aufhören zu spielen, wenn sie nicht verstanden haben, warum sie es machen müssen. Dann fällt alles zusammen.

Frage: Man kann den Stoff ja auf die Botschaft reduzieren: Wer mit dem Teufel einen Pakt eingeht, wird mit dem Grauen bestraft. Gibt es noch andere Botschaften?

Holger Liebig: Mir war wichtig, und so lese ich Gotthelf auch, – in der Oper ist dies sogar noch klarer, weil es reduzierter ist –, dass eigentlich gar nicht das Böse als Böses fundiert wird, sondern als eine Moralinstanz, um den Menschen zu zeigen, was passiert, wenn man ein Versprechen nicht hält. Das wird mit der Braut und der Hochzeit noch viel klarer. Diesen Versprechenskonflikt hat die Heldin heraufbeschworen.

Mir war die Ambivalenz zwischen Gut und Böse in den einzelnen Figuren wichtig. Christine verwandelt sich in der Oper nicht in eine Spinne wie bei Gotthelf, aus ihrer Hand kommt die Spinne und terrorisiert das Dorf. Christine rettet das Dorf dann auch wieder. In der Christine müssen die bösen Momente auch auftauchen. Da ist die Musik sehr treibend und angstmachend und hat sogar einen charmanten Walzerrhythmus.

Frage: Sind die Kinder mit dem Spiel und der Arbeit an der Partitur zuweilen überfordert?

Holger Liebig: Nein. Ich habe das so inszeniert, dass bei den heiklen Passagen auf jeden Fall Kontakt zum Dirigenten und ein sicherer Stand der Figuren garantiert ist. Kinder gehen aber ganz unbefangen mit so etwas um. Da ist es am Ende ganz egal, ob etwas zwölftönig komponiert ist. Kinder machen sich gar keinen Kopf, sind völlig frei und können wunderbar agieren.