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Internationale Musikverlage Hans Sikorski GmbH & Co. KG - Verlagshistorie

Den Grundstein für den Verlag legte Dr. Hans Sikorski (1899-1972) im Jahre 1935, nach Tätigkeiten als Hauptgeschäftsführer des von ihm mitbegründeten Deutschen Studentenwerks in Dresden und als Verlagsdirektor beim Pressekonzern Mosse sowie als Herausgeber der renommierten Zeitschrift "Die geistige Arbeit" im Verlag Walter de Gruyter, mit dem Neuen Theaterverlag in Berlin. Schon innerhalb weniger Jahre erreichte der neue Bühnen- und Musikverlag erhebliches Gewicht in den Bereichen Tanz- und Unterhaltungsmusik sowie dramatische und musikdramatische Literatur. In dieser auch im Kulturbereich von allgegenwärtigen politischen Repressionen geprägten Zeit wuchs das junge Unternehmen dennoch schnell. Hinzu kam, dass zahlreiche, zumeist jüdische Verlagsinhaber durch das national­sozialistische Regime zum Verkauf ihrer Unternehmen gezwungen wurden, von denen einige dann von Sikorski – zum Teil unter Weiterbeschäftigung der alten Inhaber im Ausland – weitergeführt und im Laufe der folgenden Jahre in ihren Katalogen erheblich ausgebaut wurden.

Die bekannten Hits jener Tage kamen im Wesentlichen aus dem Filmgenre, und so bildete die enge Zusammenarbeit mit der TOBIS die Basis für die Erweiterung des Repertoires. Die Titel von namhaften Autoren wie Werner Bochmann (Abends in der Taverne), Harald Böhmelt (Kleiner Mann, was nun?), Franz Grothe (Jede Frau hat ein süßes Geheimnis), Peter Igelhoff (Der Onkel Doktor hat gesagt, ich darf nicht küssen), Peter Kreuder (Good bye, Johnny), Leo Leux (Es leuchten die Sterne), Theo Mackeben (Bel ami), Anton Profes (Kauf dir einen bunten Luftballon), Ralph Arthur Roberts (Auf der Reeperbahn nachts um halb eins), Friedrich Schröder (Man müsste Klavier spielen können), Norbert Schultze (Ach, ich hab’ in meinem Herzen) oder Robert Stolz (Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde) wurden von den maßgeblichen Interpreten dieser Zeit aufgenommen.

Mit den Bombardements des Jahres 1943 erfolgte die weitestgehende Zerstörung des Verlagsbesitzes an den Standorten Berlin und Leipzig. Über Zwischenstationen in Bad Aussee und Bad Kissingen siedelte sich Sikorski 1946 in Hamburg an, wo mit Joh. Aug. Böhme – dem 1795 gegründeten und damit ältesten Musikaliensortiment Deutschlands – das einzige Teilstück des Unternehmens halbwegs unzerstört geblieben war. Nach Inhaftierung durch die Alliierten, durchlaufenem Entnazifizierungs­verfahren und Zurückerhalt der Verlegerlizenz gab Sikorski im Zuge verschiedener Restitutions­verfahren die "arisierten" Verlage zurück bzw. entschädigte deren ursprüngliche Inhaber. Viele Autoren der Vorkriegszeit blieben dem Verlag treu, und auch Emigranten wie Hugo Hirsch (Wer wird denn weinen, wenn man auseinander geht) oder Kurt Schwabach gaben nach ihrer Rückkehr ihre Werke zur Betreuung in den Verlag.

Im Laufe der folgenden Jahre wandte sich die Repertoirepolitik aufgrund der Veränderungen im Musikmarkt zunehmend tagesaktuellen Schlagern zu. Neben den neuen Werken der angestammten Autoren wurden Titel von Ralf Arnie und Ernst Bader (Tulpen aus Amsterdam), Werner Cyprys (Übers Jahr, wenn die Kornblumen blühen), Lotar Olias und Walter Rothenburg (So ein Tag; Junge, komm bald wieder), oder Gerhard Winkler (Glaube mir bzw. Answer me) auch international zu großen Erfolgen. Und vice versa wurden ebenfalls erfolgreiche Titel aus dem anglo-amerikanischen Raum für den deutschen Markt akquiriert und adaptiert (I Left My Heart In San Francisco, Mama, Memories Are Made Of This/Heimweh (Brennend heißer Wüstensand), No Milk Today, Satin Doll, Sunny, September Song). In den siebziger Jahren prägte die Zusammenarbeit mit dem englischen Komponisten Les Humphries (Derrick, Mexico, Mama Loo) die solide Fortentwicklung des Katalogs.

Noch bevor die Ära Humphries ihr Ende fand, entwickelte sich bereits ein neues Talent aus den eigenen Reihen: Der Liedermacher Rolf Zuckowski wechselte von der administrativen Tätigkeit im Verlag auf die kreative Seite. Nach diversen erfolgreichen Kompositionen im Schlagerbereich wandte er sich dem Gebiet Musik für Kinder zu, welches in den achtziger Jahren zu einem weiteren wichtigen Schwerpunkt der Verlagsarbeit wurde, geprägt durch Zuckowskis unvergleichliches Werkschaffen (Wie schön, dass Du geboren bist; In der Weihnachtsbäckerei), das mittlerweile den Bekanntheitsgrad von Volksliedern genießt.

Parallel zu den Aktivitäten in der Unterhaltungsmusik wurde aber auch zu neuen Ufern aufgebrochen. Die ersten Werke der Ernsten Musik wurden in Verlag genommen, und so kamen zunächst Komponisten wie Walter Abendroth, Theodor Berger, Ilse Fromm-Michaels, Ernst Gernot Klussmann oder Hans Poser zum Verlag. Später fanden Autoren wie Ulrich Leyendecker, Rolf Liebermann, Jan Müller-Wieland, Jens-Peter Ostendorf, Peter Ruzicka, Manfred Trojahn und Wolfgang von Schweinitz den Weg in das Verlagsprogramm.

Bereits in den fünfziger Jahren entstanden Kontakte in die damalige Sowjetunion. Aufbauend auf der reichen russischen Musiktradition lebten dort viele begnadete Komponisten, deren Werke nach langen Verhandlungen mit den sowjetischen Außenhandels­organisationen vom Verlag betreut werden konnten. Namen wie Aram Chatschaturjan, Dmitri Kabalewski, Sergej Prokofjew oder Dmitri Schostakowitsch gelangten durch Veröffentlichung ihrer Werke verstärkt in das Bewusstsein des westlichen Musiklebens. Eine musikhistorisch bemerkenswerte Leistung glückte 1979 mit der Veröffentlichung der seinerzeit verbotenen Originalfassung der Oper Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch. Mittlerweile zählt diese Oper unumstritten zu den herausragenden musikdramatischen Werken des 20. Jahrhunderts.

Ebenfalls gelang es, die nachfolgende Komponisten­generation, so z.B. die Komponisten-Troika Alfred Schnittke, Sofia Gubaidulina und Edison Denissow, aber auch Gija Kantscheli, Galina Ustwolskaja, Rodion Shchedrin oder Grigori Frid einem breiten Publikum bekannt zu machen. Insgesamt führten diese Aktivitäten dazu, dass der Verlag nicht nur einen elementaren Schwerpunkt auf der Förderung zeitgenössischer Musik im gesamten Spektrum von Kammer- und Orchestermusik bis hin zu großen Opern hat, sondern der Verlagsname Sikorski inzwischen als Synonym für moderne russische Musik im weitesten Sinne steht.

Und auch heute wird das Repertoire behutsam, aber beständig erweitert, und zwar nicht nur im osteuropäischen und russischen Bereich mit Frangis Ali-Sade, Lera Auerbach, Milko Kelemen, Benjamin Yusupov, sondern weiterhin auch im deutschen Sprachraum mit Moritz Eggert, Johannes Harneit, Claus-Steffen Mahnkopf, Daniel Smutny, Johannes X. Schachtner bzw. im Kindersegment mit Linard Bardill. Zudem untermauern die Expansion in den asiatischen Raum mit Xiaoyong Chen, Lin Yang, Guoping Jia oder Wenchen Qin sowie die Inverlagnahme des Katalanen Ferran Cruixent, des Serben Marko Nikodijevic, aber auch des Österreicher Gerald Resch und des finnischen Komponisten Osmo Tapio Räihälä die Kontinuität der internationalen Aktivitäten des Hauses Sikorski.

Die Vielgestaltigkeit des Verlagsrepertoires mit seiner gleichberechtigten Hinwendung zur Unterhaltungs- wie zur Ernsten Musik bleibt ein besonderes Charakteristikum dieser Musikverlagsgruppe. Gleiches gilt für die engen Verbindungen und langlebigen Freundschaften, die zu den Verlagsautoren aufgebaut werden konnten, befördert durch den Umstand, dass der Verlag sich bis zum heutigen Tag nicht nur in Familienbesitz befindet, sondern überdies ausschließlich von Familienmitgliedern geführt wurde und wird.

Die Sikorski Musikverlage umfassen heute als eigenständige oder verbundene Verlagsunternehmen die Internationalen Musikverlage Hans Sikorski mit Arcona, Connelly, Musikverlag Hans Sikorski, Papageno und Tempoton, die Bühnen- und Musikverlage Hans Sikorski mit Arcadia, Beboton, Cineton, Musik für Dich Rolf Zuckowski und Neuer Theaterverlag, sowie Alexis, Araldoton, Edition Esplanade, Goldy und MOP. Zahlreiche enge Kooperationen mit Verlagshäusern in den USA, England, Frankreich, Italien oder Japan bestehen seit Jahrzehnten. Zudem administriert Sikorski das Orchestermaterial der Music Sales Group und mithin die Kataloge renommierter ausländischer Verlage wie Chester Music, Novello & Company (beide London), G. Schirmer (New York), Edition Wilhelm Hansen (Kopenhagen), Union Musical Ediciones (Madrid) und Editions Mario Bois (Paris).