Gezeitenkonzerte: „Capriccetti [2. Zyklus]“ von Jan Müller-Wieland erlebt Uraufführung

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Unter dem Motto „Sturm und Klang“ finden 2017 zum sechsten Mal die Gezeitenkonzerte der Ostfriesischen Landschaft vom 23. Juni bis 13. August statt.

Im Rahmen eines ‚Komponistenporträts Jan Müller-Wieland‘ am 29. Juli 2017 kommt es dabei zur Uraufführung von Müller-Wielands „Capriccetti (2. Zyklus)“ für Klavier durch den Pianisten Jan Philip Schulze in der Kunsthalle Emden. Auch die Werke „Libero, fragile“ für Violine solo, „Rilkes Panther“ für Klavier, „Himmelfahrt“ für Viola solo, das „Klavierstück“, sowie „Father Image“ für Violine und Klavier des Komponisten werden an diesem Abend erklingen.

Müller-Wielands erster Capriccetti-Zyklus entstand in den Jahren 1987/88. Seinen neuen Zyklus, in dem sich, wie er andeutet, seine mit den Jahren gewachsene Lebenserfahrung widerspiegelt, versteht er als „seine ganz persönlichen Diabelli-Variationen“.

Der Komponist zu seinem Werk:
„1987 komponierte ich den ersten Zyklus. Dreißig Jahre später folgt nun der zweite. Das erste Stück heißt ‚verträumt‘: ein launisches zehnminütiges Monodram, oszillierend zwischen Aufbruch, Einbruch, Protz, Bedenken, Wut, Verzweiflung, Versonnen- und Entlegenheit. Das zweite lautet: ‚molto sotto voce, doch voran!‘ Es ist sehr flüchtig, zart und zitiert die Marseillaise. Frankreich, Deutschland, Heine, Börne, Paris im Januar 2015: All das führte hin zu dieser Miniatur, zu dieser Widmung, dieser Bewunderung des Französischen. Das dritte Stück dauert dreißig Sekunden und ist ein Schreck. Das vierte muss ‚molto preciso‘ gespielt werden. Eine Chaconne. Eine Perlenkette von harmonischen Verschlingungen und melodischen Lösungen. Das fünfte (‚innig‘) ist ein Märchen ohne Worte. Circa sieben Minuten. Das sechste ist erneut eine Chaconne: Im Diskant fallen als Achtel d, c, h, a, g und f darnieder, wandern weiter als Terzläufe, verdrehen sich und alles andere, münden in einem Zitat des Finalthemas der fünften Symphonie von Sibelius, welches er mit dem Weinen eines kleinen Kindes und dem morgendlichen Blick auf 16 Schwäne am 21. April 1915 in Verbindung brachte - nachzulesen in seinem Tagebuch, geschrieben während der Erschütterung durch den ersten Weltkrieg.“

29. Juli 2017
Emden
Kunsthalle, 20 Uhr
Uraufführung: Jan Müller-Wieland,
„Capriccetti (2. Zyklus)“ für Klavier
Elisabeth Kufferath (Violine, Viola)
Jan Philip Schulze (Klavier)
Jan Müller-Wieland (Klavier und Moderation)

 

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