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Werke von Räihälä, Leyendecker und Neurath beim Bachfest 2017

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Beim diesjährigen Bachfest (9.-18. Juni 2017) kommt es im Rahmen der Veranstaltung „Bach im Spiegel der Moderne“ am 15. Juni 2017 zu Uraufführungen neuer Werke von Osmo Tapio Räihälä und Ulrich Leyendecker. Die Sinfonietta Leipzig präsentiert die Ensemblewerke „Mural“ von Räihälä und „Aprèslude noir“ von Leyendecker unter der Leitung von Moritz Gnann im Gewandhaus in Leipzig.

Zudem werden an diesem Abend vier Kanons aus Johann Sebastian Bachs „Die Kunst der Fuge“ (BWV 1080) in der Bearbeitung von Jochen Neurath erklingen. Den Gesamtzyklus dieser Einrichtung für Kammerorchester hat die Sinfonietta Leipzig bereits 2007 zur Uraufführung gebracht. Jochen Neurath hierzu: „In Bachs ‚Kunst der Fuge‘ stellen die vier Kanons eine Art Essenz dar. Die unglaublich dichte Kontrapunktik, die sich, auch in den Fugen, nicht nur auf das Geflecht der Stimmen untereinander erstreckt, sondern auch auf die Binnenkonstruktion der Einzelstimme, wird hier in durchsichtigster Klarheit hörbar. Die Einzelstimme, die in diesen Kanons mit sich selbst in Dialog tritt, ist in jedem Moment durch eines oder sogar mehrere der Grundmotive des Gesamtwerkes strukturiert. Hier setzt meine Bearbeitung dieses Spätwerks von Bach an. In Tradition der Webern‘schen Fassung des 6-stimmigen Ricercars aus dem ‚Musikalischen Opfer‘ wird jedes Einzelglied der Motivkette einem anderen Instrument zugewiesen, so dass der Stimmverlauf kaleidoskopartig in verschiedene Klangfarben aufgefächert wird. Ein Verfahren, das in der Überlieferungsgeschichte der ‚Kunst der Fuge‘ auch insofern eine Legitimation erfährt, als Bach in diesem Werk keine Angaben zur Instrumentation gemacht hat. Die hierfür gewählte Besetzung entspricht Wagners Siegfried-Idyll, so dass hier ein historischer Dreischritt Bach - Wagner - Webern das Original mit unserer Gegenwart verbindet.“

Osmo Tapio Räihälä kommentiert sein neues Werk „Mural“ wie folgt:
“My point of departure for the chamber orchestra work Mural was, as so often for me, visual arts. As a synesthetic, I ‘see’ music in shapes, colours and surfaces, and also ‘hear’ paintings and sculptures as music. Therefore, Mural is a ‘sound painting’ - and how else would you make murals, graffitis and suchlike, than by painting?
I wrote the work on the commission by the Gewandhaus, for the Leipzig Bachfest, and Sinfonietta Leipzig’s concert there in June 2017. The line-up is a woodwind quintet, a brass trio, a percussionist, a pianists and a string quintet. The title of the first movement of the work, Male Witch, is of course a pun, and refers to Kazimir Malevich’s suprematism, where the colours are bright and rhythms very sharp, and there are hardly any shadings at all.
The second movement, titled Charcoal, is the slow movement of the work, and now there’s much more ‘chiaroscuro’ in the music, which is more silent and much less aggressive. The third movement is again restless, and even here the title Schetcho is a pun, as it points towards a drawn or painted sketch, and a scherzo, and is a mix of both. The final movement is titled Hit and Run, which hints at making of an illegal wall-painting, a graffiti perhaps? Whereas my work Myriad (2015) for symphony orchestra and chorus is more like an all-inclusive fresco, Mural is indeed a painting on the wall, that passers-by can look at everyday.

Ulrich Leyendecker zu „Aprèslude noir“:
„‘Aprèslude noir‘ ist die Schlussszene einer nicht geschriebenen Oper, von der wenige Szenen fragmentarisch existieren. Dem Libretto liegt der Roman ‚Der Idiot‘ von Dostojewski zugrunde. Die letzte, hier als reines Kammerorchesterstück bearbeitete Gesangsszene spielt in dem düsteren Haus von Rogoschin. Fürst Myschkin (der Idiot) sucht ihn auf, weil er Nastassja, die gemeinsame Geliebte dort vermutet. Nach immer dringlicherem Fragen (‚Wo ist Nastassja?‘) führt ihn Rogoschin zu der von ihm ermordeten, mit einem Wachstuch bedeckten Leiche. Beide dem Wahnsinn verfallen, verbringen die Nacht neben der Toten. ‚Jetzt noch nicht gestehen, jetzt gehört sie uns‘, so der Fürst im Fieber phantasierend. Musikalisch wird Nastassja durch tonale Walzerfragmente charakterisiert, die nach und nach häufiger und konturierter, gegen Ende der Szene quasi ‚gestockt‘ im Zusammenhang erscheinen und im Klang verlöschen. Die Gesangsparts werden hauptsächlich vom Horn (Fürst Myschkin) und der Posaune (Rogoschin) übernommen.“

15. Juni 2017
Leipzig
Gewandhaus, Mendelssohn-Saal, 20 Uhr
Uraufführung: Osmo Tapio Räihälä,
„Mural“ für Ensemble
Uraufführung: Ulrich Leyendecker,
„Aprèslude noir“ für Ensemble
Sinfonietta Leipzig
Moritz Gnann (Leitung)

 

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