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‚Frontiers of Knowledge Award‘ für Sofia Gubaidulina und Preisträgerkonzert in Madrid

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Am 15. Juni 2017 erhält die russische Komponistin Sofia Gubaidulina in Madrid den mit EUR 400.000 dotierten ‚Frontiers of Knowledge Award‘ der BBVA-Stiftung in der Kategorie Zeitgenössische Musik. Sofia Gubaidulina ist die erste Frau, der dieser renommierte Preis zuerkannt wird.

In der Begründung der Stiftung heißt es:
“The BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award in the Contemporary Music category goes, in this ninth edition, to composer Sofia Gubaidulina. The jury in its citation singles out the ‘outstanding musical and personal qualities’ of the Russian composer, whose works demonstrate ‘the exceptional range and quality of her music, which builds on a diversity of traditions in individual and innovative ways, using a range of instruments that sometimes draw on folk music and improvisation.’ The citation also highlights the ‘spiritual quality’ imbuing Gubaidulina’s work, together with ‘the transformative dimension of her music, ensuring it a broad dissemination beyond conventional audiences for contemporary music.’”

Anlässlich der Verleihung kommt es am Vortag, den 14. Juni 2017, zu einem Preisträgerkonzert der BBVA-Stiftung im Teatro Real in Madrid. Hierbei wird das Orquesta Sinfónica de Euskadi Gubaidulinas Orchesterwerk „Das Licht des Endes“ (“The Light of the End”) zur spanischen Erstaufführung bringen. Die musikalische Leitung übernimmt Robert Treviño.

In diesem großbesetzten, etwa 25-minütigen Werk spielen die Blechbläser, in der tiefen Lage verstärkt durch Tenor-Bassposaune und Kontrabassposaune, eine besondere Rolle. Die deutlich hörbare Unsauberkeit in den Hörnern zu Beginn ergibt sich aus der Tatsache, dass die Komponistin ihnen passagenweise vorschreibt, Naturtöne zu blasen, statt ihre Tonhöhen im Sinne des heute üblichen Verfahrens der temperierten Skala anzugleichen. Sofia Gubaidulina sagt dazu: „Es gibt Töne, die in den Instrumenten sind, aber wir können sie nicht benutzen, wenn wir Gemeinsamkeit erzielen wollen. Insofern ist das temperierte System, das auf der gleichmäßigen Aufteilung der Oktave in 12 Halbtöne beruht, eine Bereicherung für die Musik. Andererseits handelt es sich dabei um einen Kompromiss, weil es darin kein wirklich natürliches Intervall gibt. Dass darin in die natürliche Struktur des Klanges eingedrungen wird, empfinde ich als schmerzhaft.“ Diesem schmerzhaften Konflikt trägt Gubaidulina in zahlreichen Abschnitten Rechnung, die jeweils eine besondere Klangkonstellation beinhalten und in denen sich die Dramatik des Geschehens abwechselnd in ruhig-gespannten und in explosionsartigen Ausbrüchen manifestiert. Schließlich kommt es etwa in der Mitte des Werkes zwischen zwei großen Höhepunkten zu einem einsamen Duett zwischen dem ersten Violoncello und dem ersten Horn. Hier liegt die Intonationsproblematik quasi auf dem Seziertisch: Beide Instrumente spielen dieselbe Melodie - das Cello temperiert, das Horn in Form von Naturtönen. Am Ende löst sich die Intonationsproblematik in einer hellen, lichten Klangwelt aus Naturflageoletts, Glissandi und Trillern in Harfe und hohen Streichern auf, während sich ein letztes Mal noch zwei in temperierter Stimmung gespielt Motive – eines davon ist die Obertonreihe – zu Wort melden. Schließlich läuten die glitzernden Chimes das Ende des Werkes ein.

„Das Licht des Endes“ ist ein Auftragswerk des Boston Symphony Orchestra und wurde am 17. April 2003 im Bostoner Konzertsaal unter Kurt Masur uraufgeführt.

14. Juni 2017
Madrid
Teatro Real
Spanische Erstaufführung: Sofia Gubaidulina,
„Das Licht des Endes“ (“The Light of the End”) für Orchester
Orquesta Sinfónica de Euskadi
Robert Treviño (Leitung)

 

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