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Jewgeni Jewtuschenko, der Dichter von „Babi Jar“, starb am 1. April 2017

Der russische Dichter Jewgeni Jewtuschenko ist tot. Der oft als „Stimme der Entstalinisierung“ bezeichnete Dichter und Schriftsteller, der zuletzt in Tulsa im amerikanischen Oklahoma lebte, starb am 1. April 2017 im Alter von 85 Jahren. Große Berühmtheit erlangte Jewtuschenko u.a. mit dem Gedicht „Babi Jar“, das Dmitri Schostakowitsch in seiner 13. Sinfonie op. 113 vertonte.

Jewtuschenko bezieht sich in „Babi Jar“ auf ein grauenhaftes Massaker der deutschen Wehrmacht an jüdischen Männern, Frauen und Kindern in der sogenannten „Weiberschlucht“ („Babi Jar“) in der Nähe von Kiew im Kriegsjahr 1941.

Jewtuschenkos Gedicht „Babi Jar“ war im September 1961 erschienen und hatte großes Aufsehen erregt. Schostakowitsch sagte gemäß seinen von Solomon Volkov nach Gesprächen aufgezeichneten und posthum herausgegebenen Memoiren: „Das Gedicht hat mich erschüttert. Tausende hat es erschüttert. Viele wussten zwar von Babi Jar. Aber es bedurfte dieses Gedichtes, um Babi Jar ins Bewusstsein zu heben. Die Erinnerung an Babi Jar hatte getilgt werden sollen. Erst versuchten es die deutschen Okkupanten, später die ukrainischen Funktionäre. Doch Jewtuschenkos Gedicht hat bewiesen, dass Babi Jar nie vergessen wird.“

Aber Jewtuschenkos Gedicht war nicht nur ein Requiem für die ermordeten Juden, sondern zugleich eine aufrüttelnde Warnung vor dem Antisemitismus im eigenen Lande und überall in der Welt. Auch das bedachte Schostakowitsch: „Es wäre gut, wenn russische Juden endlich unbehelligt und glücklich in Russland, wo sie geboren sind, leben könnten. Unablässig muss man auf die Gefahren des Antisemitismus aufmerksam machen. Der Bazillus ist noch allzu lebenskräftig. Niemand weiß, ob er je absterben wird.“

 

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